concealed typologies
Theorie 1, AD
Prof. Jochen Specht
freitags, 09:00 Uhr
Raum 317
Der Umgang mit Migration ist eines der umstrittensten politischen Themen des letzten Jahrzehnts. Etwa zehn Jahre nach dem Optimismus einer deutschen Willkommenskultur, die mit einem zuversichtlichen „Wir schaffen das“ zusammengefasst wurde, bestimmen heute über fast alle politischen Lager hinweg deutlich restriktivere Töne die politische Debatte in Deutschland: So sind 85% der Deutschen der Meinung, dass es Deutschland nicht gut genug gelingt, Zuwanderung zu kontrollieren (Statista 2025). Mit 79% befürworten fast genauso viele die Idee, Asylverfahren direkt an den EU-Außengrenzen durchzuführen.
Während also Europa, getragen von einem großen mehrheitlichen Willen, zur „Festung Europa“ ausgebaut wird, revidiert auch in den USA die Regierung die amerikanische Tradition als Einwanderungsland und verfolgt mit ihrer ICE-Behörde Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung im ganzen Land.
Dabei zeigen sich in Amerika und Europa ganz unterschiedliche Strategien:Die USA realisieren Dutzende Abschiebelager auf eigenem Territorium und inszenieren diese auch ganz bewusst als Mythos – z.B. „Alligator Alcatraz“ in Florida – der gleichzeitig zu Abschreckung und als PR-Maßnahme inszeniert wird. Demgegenüber versucht Europa, die Fragen der Unterbringung von Menschen ohne gültige Aufenthaltserlaubnis vermehrt mit „Rückführungszentren“ auf extraterritoriales Gebiet auszulagern und so auch dem Fokus der Öffentlichkeit zu entziehen.
In beiden Fällen sind die konkreten Gebäude und die Lebens- und Wohnverhältnisse der dort lebenden Menschen weitgehend unbekannt und nicht Teil der öffentlichen Debatte.Und genau dieser Umstand wird mit diesem Seminar adressiert:Wie sehen die Abschiebezentren in Europa und den USA im Detail aus?Wie wohnen die Menschen dort?Welche concealed typologies entstehen an den „Rändern“ der westlichen Welt?
Ziel ist es, präzise und unideologisch das zu dokumentieren, was ist: Die baulichen Strukturen der Wirklichkeit als Verräumlichung politischer Positionen und Sachverhalte.
Wir versuchen auf Basis von Satellitenfotos, Forschungen von verschieden NGOs und Initiativen und Informationen aus Social Media Posts die Architekturen der concealed typologies in einer Art architektonischer Detektivarbeit zu analysieren und zeichnerisch zu dokumentieren.
Am Ende des Semesters soll eine Art „Atlas“ das Seminarergebnis zusammenfassen.
Erstes Treffen und Einführung:
Freitag, 20.03.26, 09:00 Uhr, Raum 317