+++ Kreuz oder Plus +++ Kirche in der Stadt aus urbanistischer Sicht
Theorie 2/3, UD
Prof. Dr.-Ing. Andrea Benze
LB Roman Leonhartsberger
Freitags, 10:00 Uhr
Raum 317
+++ cross or plus +++
church in the city from an urban perspective
The transformation of religiosity is examined from an urban design perspective. Church properties are located in central locations and used for Christian, social, and cultural purposes. Their transformation can be both an opportunity and a problem. In Munich, particularly interesting cases are highlighted in profiles.
Die Hinwendung zur katholischen und evangelischen Kirche in München nimmt ab. Das stellt sich auch in einer schwindenden Mitgliederzahl und damit verbunden schwindenden Einnahmen aus Kirchensteuern dar. Diese Entwicklung stellt die Kirchen vor große Aufgaben. Die Anzahl der Kirchenmitglieder deutschlandweit entspricht heute ungefähr den Kirchenmitgliedern aus dem Jahr 1900, allerdings verfügt die Kirche über ungefähr fünfmal so viele Gebäude wie damals, die genutzt, betrieben und unterhalten werden müssen. Darüber hinaus bleiben Aufgaben, die die Gemeinden zu einem nicht unerheblichen Anteil ehrenamtlich bewältigen, vor allem im sozialen, caritativen, seelsorgerischen und kulturellen Bereich weitestgehend bestehen. Für die Kirchen stellt sich die Frage, mit wem sie kooperieren wollen, um ihre Lage zu verbessern oder an wen sie verantwortungsvoll verkaufen oder vermieten können.
Gleichzeitig kann die Transformation von Kirchengebäuden sowie anderen Immobilien und Flächen im kirchlichen Besitz große Potenziale für die Stadt bergen. Oft stehen die Gebäude an zentralen Orten innerhalb einer Nachbarschaft und setzen sehr spezifische städtebauliche Bezüge zu anderen zentralen oder als zentral geplanten Orten. Eine gelungene Transformation kann große Wellen ins Quartier schlagen, eine missglückte schlimmstenfalls die Verödung von Stadtteilen bewirken. Das Problem schwindender Kirchenmitglieder hat über die Veränderung der Kirche hinaus nicht nur gesellschaftliche, sondern auch gravierende städtebauliche Aspekte. Innerhalb des Seminars werden die städtebaulichen Aspekte der Transformation von Sakralräumen und Immobilien im kirchlichen Besitz Ausgangspunkt der Recherche und Auseinandersetzung.
In der ersten Phase des Seminars geht es darum, die gesellschaftliche Veränderung der Religiosität und damit verbundene kulturelle, gesellschaftliche und städtebauliche Aspekte zu verstehen. Sie werden sich mit Quellen aus unterschiedlichen Disziplinen auseinandersetzen, über diese referieren (Kurzreferat) und ihre Erkenntnisse zur Diskussion stellen. Gleichzeitig soll ein Überblick über Menge und Lage kirchlicher Immobilien als Karte entstehen. Hierzu erwarten wir Daten als Grundlage von der evangelischen und katholischen Kirche.
In der zweiten Phase wird der quantitative Überblick mit Informationen über städtebauliche Entwicklungsziele in München überlagert. In Zweiergruppen analysieren Sie einen Ausschnitt des Münchner Stadtgebietes und definieren zwei städtebaulich besonders prägnante, drängende oder prekäre Fallbeispiele, die darauf detailliert städtebaulich analysiert werden. Innerhalb von Kategorien, die zuvor für alle Gruppen festgelegt werden, erstellen Sie für jedes Fallbeispiel mit Zeichnungen und kurzen Texten einen Steckbrief. Durch die unterschiedliche Gewichtung der Kategorien und indem Zusammenhänge aufgezeigt werden, entsteht ein visuell schnell erfassbares differenziertes Bild der jeweiligen Situation. Ziel ist es relevante und interessante Fragestellungen zu formulieren, die ihrer Meinung nach eine Entwicklung des jeweiligen Fallbeispiels vorantreiben sollten.
Die dritte Phase dient der Ausarbeitung der Fallbeispiele und schließlich der Zusammenführung aller Informationen, so dass eine Karte entsteht, die Auskunft über die quantitative Situation und städtebaulich besonders interessanter Gebiete und die Fallbeispiele gibt. Auch die Steckbriefe sind alle ähnlich aufgebaut und grafisch aufeinander abgestimmt, so dass sie als Atlas oder wie Beiträge in einem Städtebauführer/Architekturführer gelesen werden können.
Wir kooperieren in diesem Seminar mit Studierenden der Sozialwissenschaften aus dem Studiengang Gesellschaftlicher Wandel als Gestaltungsaufgabe, die in den nächsten beiden Semestern die Veränderung der Religiosität thematisieren werden. Innerhalb des Seminars in diesem Wintersemester wird es im ersten Drittel einen gemeinsamen Workshop zu Grundlagen der Sakralraumtransformation sowie eine gemeinsame Abschlussveranstaltung geben. Diese Struktur ermöglicht es, sich nicht nur differenziert städtebaulich mit der Transformation kirchlicher Immobilien auseinanderzusetzen, sondern auch vertiefte Einblicke in den gesellschaftlichen Diskurs zum Thema zu erhalten.
Im Sommersemester wird es voraussichtlich ein Projektstudio zu Sakralraumtransformation geben. Das Seminar ist hierfür nicht verpflichtend, wäre aber ein sinnvoller Start in das Thema.
Termine:
Interdisziplinärer Workshop 31.10. oder 14.11.2025
Interdisziplinäre Schlusspräsentation: 16.1.2026
In Kooperation mit der Fakultät für Sozialwissenschaften, Management Sozialer Innovationen,
Prof. Dr. Gerald Beck und der Hans-Sauer-Stiftung
Erstes Treffen und Einführung:
Freitag, 10.10.25, 10:00 Uhr, Raum 317