Experiment im Bestand – Weiterbauen als ökologische und soziale Praxis im Thüringer Wald
Theorie 2/3, AD
Prof. Dr. Luise Rellensmann
freitags, 09:00 Uhr
Raum 213
Wie lässt sich ein Haus zum Experimentierfeld für zirkuläres, ressourcenschonendes und kollektiv gedachtes Bauen machen? Das Masterseminar „Experiment im Bestand“ begreift die Transformation eines denkmalgeschützten Fachwerkhauses im thüringischen Schwarzatal als offenes Labor – für Fragen des Erhalts, der Reparatur und der gesellschaftlichen Weiterentwicklung des Gebauten.
In Kooperation mit Haus Döschnitz e.V., dem Belwerk Kollektiv (Weimar), dem Naturbauexperten Mario Salfelder und einer ortsansässigen Holzbauwerkstatt entwickeln die Studierenden Strategien des Weiterbauens, die sich zwischen architektonischem Entwurf, handwerklicher Praxis und theoretischer Forschung bewegen. Das Denkmal wird so zum Ort des Aushandelns: zwischen ökologischer Notwendigkeit und kulturellem Erbe, lokalen Wissensformen und globalen Nachhaltigkeitsdiskursen.
Der baupraktische Workshop vor Ort (3.-7.Juni 2026) widmet sich der Weiterentwicklung des im Vorjahr begonnenen Projekts – eine Sommerküche ergänzt den gemeinschaftlich errichteten Pizzaofen. Gearbeitet wird mit vorhandenem Materialbestand, Lehm und Holz, begleitet von Methoden der Bestandsaufnahme, Dokumentation und experimentellen zirkulären Konstruktionen.
Im Seminarraum wird diese Praxis theoretisch geöffnet: Begriffe wie Zirkularität, Reparaturkultur, Fürsorge und Denkmalpflege werden als Entwurfsinstrumente betrachtet. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf die materielle Ebene des Bauens, sondern auch auf seine sozialen und narrativen Dimensionen. Ein geplanter Erzählsalon mit Bewohner:innen des Dorfes verknüpft das Projekt mit Fragestellungen zu Oral History, Counterarchives und feministischen Perspektiven auf das Ländliche. Das Experiment im Bestand wird so zu einer vielschichtigen Denkmalpflegepraxis.
Erstes Treffen und Einführung:
Freitag, 20.03.26, 09:00 Uhr, Raum 213