Architectures of Ecotones – Re-Ecologising the University Zone
Theorie 1, ADR
LB Barbara Herschel
freitags, 10:00 Uhr, Blockveranstaltung
Raum N113
Das Seminar untersucht Architektur als Teil dynamischer ökologischer Systeme. Ausgangspunkt ist der ökologische Begriff des Ökotons, der einen Übergangsbereich zwischen unterschiedlichen Biotoptypen beschreibt. Diese Übergangszonen sind durch eine hohe Dichte an Wechselwirkungen, sowie durch Instabilität, Konflikthaftigkeit und Biodiversität geprägt. Übertragen auf Architektur – eine Disziplin des Ziehens und Gestaltens von Grenzen – eröffnet das Denken mit Ökotonen eine Perspektive auf Gebäudegrenzen als aufgedickte „Zonen“, in denen materielle, klimatische, soziale, technische, biologische und politische Prozesse ineinandergreifen. Architektur erscheint dabei weniger als trennende Struktur zwischen Innen und Außen oder Natur und Kultur, sondern als eine vermittelnde und relationale Konstellation. Wie können uns Ökotone dabei helfen, Architektur als Praxis der Renaturierung bzw. des Re-Ökologisierens neu zu denken?
Zu Beginn des Seminars lesen und diskutieren wir Texte aus unterschiedlichen Disziplinen wie Ökologie, Anthropologie, Physik, Philosophie und Raumtheorie. Wie lassen sich Ökotone definieren, beschreiben und konzeptualisieren? Wie können sie dazu beitragen, den ruinösen Zustand unserer Umwelten zu beschreiben?
Anhand des Films Stalker (Andrei Tarkowski, 1979) werden wir Formen der visuellen Darstellung von Ökotonen analysieren. Schauplatz des Films ist eine kontaminierte „Zone“, die sich menschlicher Kontrolle entzieht und die Grenzen zwischen gebautem Raum und Landschaft verwischt. Wie können ökotonale Geschichten erzählt und sichtbar gemacht werden?
Aufbauend auf der textlichen und filmischen Annäherung an Ökotone wird das Hochschulgebäude selbst zum Untersuchungsgegenstand, beziehungsweise zur „Zone“. Innerhalb des Gebäudes kartieren wir architektonische Übergänge als ökotonale Schwellräume. Spuren von Abnutzung, Mikroklimata, Aneignung oder Reparatur dienen als Ausgangspunkte, um ökologische Prozesse und Aushandlungen spekulativ weiterzudenken. Wie können bestehende Beziehungen intensiviert werden? Wie sehen Formen der Pflege und Reparatur aus, die das Gebäude als biodiverses Ökosystem erhalten? Wer schützt wen, was wird bewahrt, was entfernt – und wer entscheidet darüber? Die Studierenden entwickeln ein Storyboard, in dem materielle, klimatische, soziale und technische Aushandlungsprozesse eines Schwellenraums sichtbar gemacht werden.
Das Blockseminar lädt dazu ein, architektonische Grenzen als dynamische, relationale Schwellen zu begreifen, die kontinuierlicher Aufmerksamkeit, Pflege und politischer Aushandlung bedürfen. Wir sehen genau hin, machen verborgene Prozesse sichtbar und begreifen das Hochschulgebäude als gestaltbares ökologisches Gefüge.
Seminar in German and English
Erstes Treffen und Einführung:
Freitag, 20.03.26, 10:00 Uhr, danach nach Vereinbarung in Blöcken, Raum N113