Forno communale per Döschnitz. Ökologisch und ressourcenschonend Weiterbauen im Thüringer Wald
Theorie 2/3, AD
Prof. Dr. Luise Rellensmann
freitags, 10:00 Uhr
Raum 413

In der sich gerade vollziehenden Wende im Bausektor kommt auch denkmalpflegerischem und sanierungspraktischem Wissen ein hoher Stellenwert zu. Im ländlichen Raum am Rande westlicher Metropolen ist es derzeit eine gängige Praxis bauphysikalisch herausfordernde Immobilien wie Fachwerkhäuser abzureißen und durch vermeintlich pflegeleichte Neubauten zu ersetzen. Eine Alternative ist diegemeinschaftliche Aneignung vom Leerstand und Abriss bedrohter Gebäude, und deren Instandsetzung, Pflege, und Weiterbau. Ein Denkmal bewahren heißt nicht nur es zu sanieren, sondern auch es gesellschaftlich zu transformieren und partizipativ wiederzubeleben.
Wir wollen diese Praxis im Rahmen im Rahmen eines Workshops zwischen dem 8. und 13. Mai 2025 in Kollaboration mit dem gemeinnützigen Verein Haus Döschnitz e.V. im Thüringer Schwarzatal, dem FG Denkmalpflege der BTU Cottbus-Senftenberg, dem Belwerk Baukollektiv (Weimar) und einem lokalen Lehmbauexperten erleben und erproben. In der Zeit arbeiten und wohnen wirgemeinsam mit Studierenden der BTU Cottbus-Senftenberg in dem Haus in der Dorfmitte.
Konkret werden wir nach einer Mauerwerksdiagnostik die Sanierungsplanung für die Instandsetzung und Oberflächensanierung von Fachwerkwänden und deren Umsetzung mit zirkulären und resourcenschoneneden Praktiken durchführen. Es erfolgt der gemeinsame Entwurf und Bau eines kommunalen Ofens unter Wiederverwendung von vorhandenen Materialien und der Einbeziehung regionaler Materialkreisläufe. Außerdem werden wir ein Inventar bzw. Materialpass der auf dem Grundstück und im Haus befindlichen baulichen Ressourcen erarbeiten.
Die Vor- und Nachbereitung des Praxisworkshops findet im Rahmen des wöchentlichen Seminars statt. Im theoretischen Teil des Moduls werden Grundlagen und Rahmenbedingungen denkmalpflegerischer Sanierung, ökologischer Bauweisen und intelligenter Nutzung vorhandener Ressourcen vorbereitend erarbeitet. Wir befassen uns hier mit angewandter Denkmalkunde, dem Konzept der experimentellen Denkmalpflege und der Instand(be)setzung, Materialkunde und -kreisläufen, Sanierungs- und Bautechniken und Entwurfsplanung. Die Erkenntnisse aus der angewandten Workshopwoche werden abschließend in einem Ausstellungsformat dokumentiert.
In einem Seitental der Schwarza steht das um 1700 erbaute Haus Döschnitz: Einst das Wohnhaus der Brauereifamilie Böttner, diente es später der Zuflucht von Geflüchteten und Vertriebenen, als Sitz der örtlichen Kurverwaltung oder zuletzt als Bürgermeisterbüro und Heimatmuseum. Im Jahr 2018 wurde das Fachwerkgebäude für eine Saison in Teilen zum Probewohnen geöffnet und in diesem Rahmen zum IBA Projekt ernannt. Die hierfür verfolgte behutsame und kostengünstige Sanierung einer Ferienwohnung im Obergeschoss (Merle Stankowski) unter Berücksichtigung der historischen Bausubstanz ist beispielgebend für den Umgang mit dem Bestand und Leerstand in der Region.
In der Folge dieser Zwischennutzung gründete sich 2020 der Verein Haus Döschnitz e. V., einem Kollektiv aus inzwischen rund 30 Mitgliedern aus den Bereichen Architektur, Denkmalpflege, Urbanistik sowie Kunst- und Kulturwissenschaften aus Berlin, Leipzig und Weimar. Seither wird das Denkmal einen über die Region hinaus ausstrahlenden Gemeinschaftsort für Gruppen zum temporären Wohnen und Arbeiten zwischen Stadt und Land entwickelt.
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Dr. Clara Rellensmann (FG Denkmalpflege, BTU Cottbus-Senftenberg), Tillmann Gebauer (Belwerk Baukollektiv) und Mario Salfelder (KRUSA KG, Naturbaumentor) durchgeführt.
Erstes Treffen und Einführung:
Freitag, 21.03.25, 10:00 Uhr, Raum 413