Die Generationsrotation
Entwurf 5, AD
Prof. Frederik Künzel
Dienstags, 14:00 Uhr
Raum 207
Wohnungsbaugenossenschaften sind ein bewährter Mechanismus, um bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen. Gleichzeitig schaffen sie eine besondere Form der Identifikation: Ihre Bewohner sind nicht nur Mieter, sondern Teil einer Gemeinschaft und damit stärker mit ihrem Haus und ihrem Viertel verbunden. Wer Mitglied einer Genossenschaft wird und Genossenschaftsanteile erwirbt, sichert sich das Recht auf eine Mietwohnung. Die Wohnung selbst ist kein Eigentum und kann daher nicht gewinnbringend veräußert werden. Sie wird dem spekulativen Wohnungsmarkt entzogen – und genau darin liegt eine der großen Stärken des genossenschaftlichen Prinzips: Wohnraum bleibt dauerhaft bezahlbar.
Die Münchner Baugenossenschaft Nord-West besteht seit 120 Jahren und verwaltet heute mehr als 530 Wohnungen. Doch auch an dieser Genossenschaft zeigt sich eine der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft: die Überalterung der Bevölkerung und die damit verbundene Veränderung des Wohnbedarfs Viele ältere Menschen leben nach Jahrzehnten der Mitgliedschaft noch immer in denselben Wohnungen, in denen sie einst ihre Kinder großgezogen haben. Die Wohnungen sind für ihre heutige Lebenssituation häufig zu groß und zudem nicht altersgerecht ausgestattet. Ein Umzug in eine kleinere Wohnung ist für viele dennoch keine realistische Option: Auf dem freien Wohnungsmarkt sind vergleichbare Wohnungen oftmals ein Vielfaches teurer als die langjährig gesicherte Genossenschaftsmiete.
Gleichzeitig brauchen junge Familien dringend bezahlbaren Wohnraum.Wie lässt sich also das Prinzip der Genossenschaft um eine neue Dimension erweitern – um eine aktive Generationenrotation?Die baulichen Strukturen der Baugenossenschaften wurden oft nur geringfügig nachverdichtet. Dadurch ergibt sich räumliches Potential, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.Dabei besitzen Genossenschaften noch einen weiteren Vorteil: Sie kennen ihr Klientel.
Die ältere Generation wäre durchaus bereit, ihre zu groß gewordenen Wohnungen zu verlassen, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind: Sie möchte in ihrer vertrauten Wohnanlage und damit in ihrem sozialen Umfeld bleiben können. Die neue Wohnung muss weiterhin bezahlbar sein. Und sie muss den Anforderungen des Alters entsprechen.
Genau hier eröffnet sich eine Chance für neue Wohnmodelle. Mehrgenerationenwohnen, gemeinschaftliche Wohnformen oder Wohngemeinschaften sind den Bewohnern nicht fremd. Im Gegenteil: Wer über Jahrzehnte in einer Genossenschaft gelebt hat, ist mit dem Gedanken von Gemeinschaft, gegenseitiger Verantwortung und einem solidarischen Wohnmodell bereits vertraut.Die Generationenrotation könnte damit zum nächsten Entwicklungsschritt des genossenschaftlichen Wohnens werden.
Die Baugenossenschaft Nord-West ist dabei kein Einzelfall. In München gibt es zahlreiche vergleichbare Siedlungen und Baustrukturen, in denen sich dieselbe Frage stellt: Wie können wir den vorhandenen Wohnraum so weiterentwickeln, dass er unterschiedlichen Generationen gerecht wird?
Lassen Sie uns deshalb an einem konkreten Wohnblock beispielhaft innovative Wohnbaulösungen entwickeln, mit welchen man die Diskussion der Generationsrotation mit architektonischen Qualitäten belegen kann.
Erstes Treffen und Einführung:
Dienstag, 06.10.26, 14:00 Uhr, Raum 207