Ornament and Graffiti
FWP 1, AD
LB Lukas Strasser
Prof. Dr. phil Luise Rellensmann
Montags, 14:00 Uhr
Raum 317
Graffiti schreibt sich in Fassaden, Treppenhäuser oder Brandwände ein, überlagert frühere Farb- und Putzschichten und erzeugt Reibung auf und in der Architektur. Das Seminar untersucht Graffiti als Oberfläche von Gebäuden, als Praxis der Aneignung und als politischen Ausdruck.
Ausgangspunkt sind die im Rahmen der Bauaufnahme im April 2026 an der Kastanienallee 12 (K12) und am Tuntenhaus (Ka86) in Berlin dokumentierten Oberflächen. Auf Basis von Fotografien, Aufmaßen, 3D-Daten und historischen Quellen werden dort sichtbare Pieces, Taggs, Stencils, Throw Up’s und weitere Aneignungsspuren gegenwartsarchäologisch ausgewertet. Dabei werden die Befunde aus den Berliner Hausprojekten in denkmalpflegerische Debatten um Bedeutung, Erhalt, Veränderung und Authentizität eingeordnet.
Eine zweite Perspektive richtet sich auf München und seine Bedeutung in der Writing-Geschichte. Der sogenannte Geltendorfer Zug, der 1985 auf einem Abstellgleis des Bahnhofs Geltendorf entstand, gilt als häufig als erster Wholetrain Europas. Was damals ein Skandal war, ist heute ein Bezugspunkt der deutschen Graffiti-Geschichte und erlangte nachträglich kulturelle Anerkennung, im vergangenen Jahr wurde das 40. Jubiläum gefeiert. Unter welchen Bedingungen hat sich die Münchener Szene bis heute entwickelt und wie unterschiedenen sich Praktiken und Sichtbarkeit von denen in Berlin?
Das Seminar verbindet die Auswertung von Dokumentationsarbeit mit kulturwissenschaftlicher und theoretischer Lektüre. Es fragt, wann eine beschriebene Wand zur historischen Quelle wird, welche sozialen und politischen Geschichten Graffiti sichtbar machen und welche mit der Sanierung, Umnutzung oder Musealisierung eines Ortes verloren gehen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Fragen nach Autorschaft, Geschlecht, Zugehörigkeit, Migration, Klasse und Aneignung im öffentlichen und halböffentlichen Raum.
In Arbeitsgruppen entwickeln die Studierenden eine vertiefte Auswertung des vorhandenen Materials und produzieren u.a. einen Kurzfilm für das Museum Pankow über Graffiti und die K12. Das Seminar richtet sich an Architekturstudierende mit Interesse an Bauaufnahme, Denkmalpflege, urbaner Kultur, visueller Forschung und filmischer Vermittlung.
Erstes Treffen und Einführung:
Montag, 12.10.26, 14:00 Uhr, Raum 317