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Förderpreis des Deutschen Stahlbaus 2026
1. Preis für Lojaen Shahoud für ihre Semesterarbeit: Isarsteg mit Flussbad in Freising
21/04/2026
Laudatio
In hervorragender Art und Weise entwickelt die Verfasserin das Konzept einer innovativen Fuß- und Radwegebrücke mit Flussbad über die Isar in Freising.
Die Arbeit ist das Ergebnis einer Semesterarbeit einer Studentin der Hochschule München im Fachbereich Architektur. Beteiligt waren die Lehrstühle für Architektur, Baukonstruktion und Tragwerkslehre sowie für Bauingenieurwesen, Stahlbau und Baustatik. Bereits diese interdisziplinäre Verknüpfung zeigt sich in der Qualität des Entwurfs, der gestalterische, konstruktive und städtebauliche Fragestellungen in überzeugender Weise zusammenführt.
Besonders hervorzuheben ist die klare und zugleich innovative Tragwerksidee des Isarstegs. Durch die Aufteilung in einen getrennten Fahrrad- und Fußgängerweg auf unterschiedlichen Höhen entsteht nicht nur eine funktionale Gliederung, sondern zugleich eine effiziente und prägnante Tragwerksform des als Stahlhohlkasten wirkenden Brückenquerschnitts. Dabei richtet sich der tieferliegende Fußgängerbereich zum Flussbad hin aus und entwickelt daraus eine räumliche Qualität der Brücke, die weit über die reine Funktion des Überquerens hinausgeht. Der oben geführte Radweg und die darunter angeordneten Sitzgelegenheiten schaffen ein differenziertes Raumangebot und eröffnen neue Perspektiven auf den Flussraum und das Flussbad. So wird die Brücke nicht nur zu einem Infrastrukturbauwerk, sondern zu einem Ort mit erhöhter Aufenthaltsqualität und einem echten Mehrwert für den städtischen Raum. Das Brückenbauwerk bildet zusammen mit dem in hybrider Stahl-Holz-Konstruktion ausgebildeten Flussbad ein starkes Ensemble, das den Ort prägt und zugleich selbstverständlich in seinen Kontext eingebunden ist.
Ebenso überzeugend ist der nachhaltige Ansatz der Arbeit. Durch den Einsatz wetterfesten Stahls für den Isarsteg kann auf eine zusätzliche Beschichtung verzichtet werden, was den Unterhaltsaufwand reduziert und dem Bauwerk zugleich eine materialgerechte Erscheinung verleiht. Ergänzt wird dies durch naturbelassene Baustoffe aus Holz für Belag und Geländer, die den Entwurf in seiner Haltung unterstützen und eine angemessene Verbindung von Konstruktion, Materialität und Landschaft herstellen.
Mit dem geschickten Höhenversatz im Brückenbauwerk entsteht eine äußerst effiziente Konstruktion, die Tragwerk, Architektur und Städtebau in beispielhafter Weise verbindet und zeigt, wie Gestaltung, konstruktive Umsetzung und Nachhaltigkeit zu einem starken, identitätsstiftenden Ensemble zusammengeführt werden können. Der Entwurf zeigt eindrucksvoll das Potential des Baustoffes Stahl, in dem es durch die materialeffiziente Ausformulierung des Entwurfsidee veranschaulicht, dass Brücken nicht nur Wege über ein Hindernis sein müssen, sondern selbst zu qualitätsvollen Orten im Stadtraum werden können.
Hochschule München
Fakultät für Architektur
Betreuung durch:
Prof. Thomas Hammer
Prof. Dr.-Ing. André Duerr
Weitere Informationen online:
Bauforumstahl / Wettbewerb